VLC auf Raspberry - Fragen nur z.T. Hardware-bedingt

  • Hallo,

    bin neu hier im Forum, aber nicht in der PC + Software Thematik. Bin beruflich Datenbank- und Client-Server-Entwickler in der Windows-Welt seit den Zeiten des inzwischen selig verstorbenen DOS. D.h. ich kenne mich schon mit so etlichem aus, aber habe immer vermieden in der Linux-Welt zu programmieren, beruflich nie angefallen und als reine Freizeitbeschäftigung mir zu aufwendig, man hat ja schließlich auch andere Hobbys.


    Zu den Problemen bzw. besser gesagt Fragen. Ich habe bzw. hatte vor ein Media-Center mit Kodi/TVHeadEnd auf dem Raspberry zu bauen. Hat auch bezgl. Installation und Konfiguration einwandfrei funktioniert, aber war aus diversen Gründen (Hard- und Software) nicht betriebsstabil zu bekommen und laufend nachjustieren und warmstarten ist nicht was ich als üblichen Anwenderbetrieb verstehe. Kodi, SMPlayer und leider auch TVHeadEnd sind also runtergeflogen und ich habe wieder zu dem bei mir sowohl auf Windows wie auch Linux-Mint einwandfrei seit Version 0.x.x laufenden VLC zurückgegriffen ... sehr, sehr positive Idee auch für das Raspbian (Debian-Derivat) und im Prinzip läuft alles insbesondere Audio-mäßig wie gewünscht. Ok, etwas weniger bunt als mit Kodi, na ja, wat solls, unproblematisch. :thumbsup::)

    Auf Windows läuft bei mir die Version 3.0.3. genauso wie auf dem Raspberry (Debian-Repository standard), während auf Linux-Mint bisher nur 2.2.6 aus dem Repository verfügbar ist.


    Aber trotzdem gibts Fragen:

    1. Bis zumindest Version 2.2.6 (ca. März 2018 lt. Forenbeiträgen) war VLC nicht in der Lage die Hardware-Accelleration des Raspberry auszunutzen, was Video etwas schmerzhaft macht. Ist das mit der Version 3.0.3 (aktuell im Debian Repository) bzw. der neusten 3.0.4 behoben ? Oder müßte man immer noch nach diversen Kochanleitungen den VLC-Code selbst für die HA kompilieren ?


    Die folgenden Fragen resultieren mehr oder weniger daraus, daß die Linux/Multimedia-Gemeinde der Programmierer-typischen :P Faulheit bzgl. Dokumentation frönt. Man findet haufenweise Zeug von 2013 bis 2015, etwas 2016-2017, aber kaum was echt aktuelles und da fehlen dann ggf. Punkte, zu denen ich leider auch per Google nichts gefunden habe:


    2. Unter den erweiterten Einstellungen des VLC auf der Seite Interfaces gibt es eine Checkbox "Als Daemon laufen". Ich hatte das so verstanden mangels Dokumentation, daß VLC dann automatisch als Systemprozess läuft und ich dann ohne überhaupt auf den headless Raspi per RDS draufzugehen direkt via Web-Browser (x.x.x.x:8080) VLC dort bedienen kann. Aber augenscheinlich ist VLC nicht als Systemprozess aktiv egal wie die Checkbox steht. Geht das bzw. ist das so vorgesehen oder muß man wie mehrfach (älteren Datums) beschrieben mit weiteren Tools/Konfigurationen VLC in den BS-Unterbau befördern ?


    3. Audio-CD's (selbstgebrannt oder gekauft): Hier habe ich üblicherweise eingestellt via BS, daß wenn eine eingelegte Audio-CD erkannt wird, automatisch mit VLC abgespielt wird und das funzt auch einwandfrei. Aber während Kodi dann die CD in ihrer natürlichen physikalischen Reihenfolge abspielte, fühlen sich sowohl SMPlayer als auch VLC bemüßigt aus der CD erstmal eine Playlist zu basteln, bei SMPlayer leider unsortierbar on the Fly, bei VLC glücklicherweise schon. Denn in beiden Fällen stolpert man über eine scheinbar Linux-typische Programmier-Marotte, die allen am Y2K-Stress beteiligten Programmierern so eigentlich nicht (mehr) passieren dürfte. Das Y2K-Hauptproblem war ja, das Jahreszahlen zwei- statt vierstellig abgebildet waren und damit landete dann (20)01 beim Sortieren automatisch VOR (19)99 statt korrekt dahinter. Und genau dies Phänomen passiert bei den automatischen Playlists auch. Dort werden die einzelnen Songs der Audio-CD als "Track Nr." erkannt, also z.B. Track 1, Track 2, ... Track 11, Track 12, ... Track 20 ... und wenn man das IT-mäßig sortiert ohne besondere Vorkehrungen dann geraten die Tracks aufgrund unterschiedlicher Bezeichnungslänge schlicht in eine falsche Reihenfolge, z.B. Track 1, Track 11, Track 12, Track 2, Track 20, Track 3. Das ist etwas nervig. Vermeiden ließe sich das, wenn z.B. Track 1 als Track 01 bezeichnet wäre, also mit führenden Nullen zwecks Längenausgleich. Gibt es eine Möglichkeit den VLC dazu zu überreden, eine automatisch abspielende CD nicht als Playlist umzufummeln, sonder ganz schlicht in der physischen Reihenfolge abzuspielen ?


    4. Ebenfalls Audio-CD's, während Kodi zwar die physische Reihenfolge korrekt hatte, war es aber nicht möglich die CD ohne 1-5 Aussetzer abzuspielen. Diese Aussetzer hörten sich an, als ob das portable CD-Laufwerk den Track verliert und seinen Schlitten erstmal hin- und her-rücken mußte, um wieder weitermachen zu können. Die Laufwerkslampe war derweil die gesamte CD über gleichmäßig rythmisch am blinken. Mit einem "ausgewachsenem" CD-Laufwerk via IDE/USB-Adapter gab es diese Aussetzer nicht. Mit SMPlayer gab es die Aussetzer auch nicht, aber dort wurde augenscheinlich lt. Laufwerkslampe ein gesamter Track gleich am Anfang auf einmal eingelesen und dann war die Lampe aus bis ein neuer Track fällig war. Bei VLC ist die Lampe ähnlich rythmisch in Betrieb wie mit Kodi, aber das Laufwerk hat diese Aussetzer fast nicht, genau genommen einmal bei 2 CD's statt Kodis bis zu 10 Mal. Frage, gibt es in VLC eine Möglichkeit diese Laufwerksansprache per Buffer o.ä. zu beeinflußen und z.B. dafür zu sorgen, das der aktuelle Track auf einmal gelesen wird und nicht kontinuierlich ? Ich vermute, das könnte für das von Haus aus etwas schlabberige portable USB-Laufwerk die Lage etwas entspannen. Am Laufwerk ansich liegt es nicht, denn sowohl unter Windows wie eben auch per SMPlayer kommt es nicht zu den Aussetzern.


    5. Radio-Sender, es gibt hier ja eine ganz tolle Playlist mit mehr oder weniger den Radiosendern wie per DVB-C, veröffentlicht von ThWeiss. Ich habe diese Liste im VLC in den Bereich Mediathek im Medien-Browser gestopft und das funzt schon ganz wunderbar, allerdings mit mehreren Klicks, erst Mediathek wählen, dann 2-mal klicken bis die Liste ganz auf ist und dann Sender wählen. Gibt es auch eine Möglichkeit so eine Liste (z.B. Radio.de) unter dem Punkt Internet im Medienbrowser genauso wie z.B. diesen Icecast zu installieren ? Dort wäre die Liste irgendwie schneller im Zugriff.


    Bin gespannt auf Antworten bzw. ob überhaupt Antworten oder meine Fragen schon reichlich tief im Eingeweide rumwühlen ... :whistling::whistling::saint:


    Gruß Joachim

  • Hallo Joachim,


    wo fange ich am besten an?


    Bezüglich VLC und Raspi füge ich eine englischsprachige Informatione-Quelle hinzu.

    Auf die Schnelle habe ich keine deutsche Anleitung gefunden.

    - https://www.raspberrypi.org/forums/viewtopic.php?t=195221


    Für Windows ist der aktuelle VLC-Player in Version 3.0.4 verfügbar.

    - https://www.videolan.org/


    Bezüglich der Änderungen zwischen den Versionen hilft ein Blick in den Changelog.

    - https://www.videolan.org/developers/vlc-branch/NEWS


    zu 1) Siehe oben eingefügten Link zum Raspi.


    zu 2) Hier sehe ich mehr Erfolg für Antworten im Raspi-Forum.

    - https://forum-raspberrypi.de/forum/

    Unter Windows-Betriebssystem gibt es z.B. die Möglichkeit mittels Webbrowser den VLC-Player fernzusteuern.

    - https://wiki.videolan.org/Control_VLC_via_a_browser/

    - VLC Player auf eigener Website nutzen


    zu 3) Hier habe ich keine konkrete Idee.


    zu 4) Hier könnte auch die USB-Schnittstelle des externen DVD-Laufwerkes das Problem verursachen.

    Würde hier prüfen, ob die Treiber aktuell sind.

    Kann mir auch vorstellen, dass mit dem USB-Adapter für Daten- und Strom-Filter die Medienwiedergabe vom externen DVD-laufwerk besser funktioniert.

    - https://www.audioquest.com/jitterbug


    Bezüglich der Laufwerksansprache des VLC-Players müsste man sich an die Entwickler wenden im Videolan-Forum.

    - https://forum.videolan.org/viewforum.php?f=7


    zu 5) Auch hier müsste man sich an das Videolan-Forum wenden, ob personalisierte Wiedergabelisten in der Benutzeroberfläche des VLC-Players sich verlinken oder einbauen lassen.

    - https://forum.videolan.org/viewforum.php?f=7


    Soweit die ersten Hinweise.


    MfG

    Thomas

  • Hallo Thomas,

    große Klasse und tolle Antworten, übrigens direkt Danke für die schöne Radio-Liste ... :*


    Bereits der oberste Link, passend zu 1), hat meine größte Sorge behoben. Ok, man muß mit diversen Ergüssen in Internet-Foren ggf. etwas vorsichtig sein (nix neues also), aber der Autor dieses Eintrags ist mir schon mehrfach als seriös fundiert aufgefallen. Und sein Hinweis vom 17.11., also derart frisch, daß ich ihn noch nicht auf dem Zettel hatte, ist genau die Aussage, daß seit Version 3.x.x. nunmehr auch die Hardware-Accelleration funzt. Sehr gut, ok, zur Not wäre auch noch der Raspbian-eigene OMXPlayer da gewesen, aber a) nur Commandline und b) hat VLC das absolut vollständigere Arsenal an Codecs, Containern etc., d.h. wird mit fast allem an Audio und Video fertig ... und da schwirrt ja nunmal aller mögliche Kram rum ... :huh:


    Nach dem Change-Log hatte ich schon gesucht, aber bei VideoLAN ist es, im Gegensatz zu anderen Softwares, nicht so aufdrängend platziert. Danke dafür.


    Die Daemon-Frage 2) ist im Prinzip erledigt als unnötig. Habe VLC auf dem Raspi zum Autostart mit der GUI überredet und benutze von allen anderen PC's die gute alte Windows Remote-Desktop-Technik. Damit habe ich den vollen VLC-Umfang im Zugriff und die an sich sehr gut laufende, aber etwas eingeschränkte Browser-Steuerung ist überflüssig, zumal ich die Vermutung habe, daß via Browser mehr WLan-Power verbraten wird als via Remote, was bezgl. des gleichermaßen per WLan kommendem Radio-Streams schon etwas Bedeutung hat. Schließlich ist WLan im Vergleich zu festem Draht-LAN doch immer etwas engspuriger.


    Noch zur Info für alle, die hier ggf. still mitlesen, per Browser (192.168.x.x:8080) auf VLC zuzugreifen läuft nicht nur mit Windows, sondern praktisch mit jedem Browser auf jeder Plattform. Ich persönlich stehe da sehr auf den Feuerfuchs (Firefox) im Gegensatz zu Chrome, der mit Auswahlen per Menü (z.B. Favoriten) doch etwas schmalbrüstig ist. Und als Produkt von Datenkrake Google mir auch etwas suspekt ist.


    Zu 3), leider habe ich hier selbst nur eine konkrete Idee, nämlich das speziell Linux-Programmierer für diese Problematik seltsam unsensibel sind. Vielleicht, weil sie mit den Y2K-Schwierigkeiten nicht wirklich viel zu tun hatten ... wer weiß ... :/ Aber in Linux-Sourcen stolpert man vielfach über diesen längen-zahlen-unsensiblen Umgang. Z.B. die Xoro-Settop-Box, die nunmehr das Video-Aufzeichnen vom TV übernommen hat, schreibt an ihre Aufnahmen das Datum auch als JJJJMMTThhmmss, also 20181125201513, und ist damit automatisch sortierungs-sicher ... sollte man der Linux-Programmierer-Gemeinde vielleicht mal als Grundsatz beibiegen ... X(


    Ok, Frage 4) spare ich mir mal für gelegentlich auf, denn der Raspi im Arbeitszimmer hat normalerweise mit CD's nicht viel zu tun. Das ist die Domäne der ausgewachsenen Kompaktstereo-Anlage im Wohnzimmer und die macht das einwandfrei und fummelt weder mit Playlists rum noch muß man sich um evtl. buffern o.ä. kümmern. Ist halt nur ein kleiner Schönheitsfehler in der angestrebten Perfektion. Ich habe da eh den Verdacht, daß diese portablen CD/DVD-Laufwerke genauso wie 2,5" Festplatten eher was für den Notfall sind. Wer wirklich qualitativ etwas erwartet, ist mit den ausgewachsenen Kameraden für richtige "große" PC's besser bedient. Da könnte ich dann via IDE/USB-Adapter das eigentlich interne 5,25" CD/DVD-Laufwerk dranhängen, was ja einwandfrei lief, allerdings mangels Gehäuse drumrum etwas lauter beim Laufgeräusch ist. Zumindest werde ich dem portablen Laufwerk bestimmt keine CD's oder DVD's zum Brennen anvertrauen, was das Ding eigentlich auch könnte.


    Frage 5) auch was für gelegentlich, denn mit der Radio-Liste in der Mediathek haut das ja einwandfrei hin und ein, zwei Klicks mehr am Anfang machen den Kohl nicht fett.


    Vielleicht nochmal für Mitleser, um Kodi einigermaßen vernünftig zur Musik-Wiedergabe zu überreden (incl Problemen, die Lautstärke zu regeln) hab ich rund 1,5 Wochen gebraucht (immer nebenher, klar), aber VLC war nach 20 min. voll am Start. Also KODI sehr schön für Leute, die was schickes buntes lieben, aber eher ungut für Leute, die mehr am Endresultat problemlos interessiert sind. Und wer sich durch Einstellungen manövrieren muß, wird dort schnell die Krätze bekommen, um den ganzen Kram überhaupt zu finden. Im Gegensatz dazu ist der Einstellungsdialog vom VLC geradezu beispielhaft aufgeräumt und präzise.


    In sofern, Thomas, optimale Antworten und fast alles, was mir wichtig war erledigt ... Danke schön. :love:


    Joachim