Die "einfachen" Input & Codecs-Einstellungen

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    Die "einfachen" Input & Codecs-Einstellungen


    Auch für die Input- und Codecs-Einstellungen wurden die wichtigsten oder auch häufig verwendete Einstellmöglichkeiten in einer eigenen Sicht des Einstellungsdialoges zusammengefasst. Hier ein Bild davon:



    Wir können eine Unterteilung in folgende vier Untergruppen erkennen:

    • Codecs
    • Optisches Laufwerk
    • Dateien
    • Netzwerk

    Beschreibung der Optionen:


    1. Codecs
    Nahezu alle der sieben Optionen dieser Untergruppe sind für den "Normalanwender" alles andere als einfach. Die nachfolgenden Erklärungen sind ein Versuch, diesen schwierigen Teil für interessierte Anwender etwas verständlicher zumachen.

    • Nutze die GPU-beschleunigte Dekodierung - siehe Anm.(3)
      Die Aktivierung dieser Option erlaubt dem VLC Player, die Dekodierung eines Videos der Grafikkarte zu übertragen und damit den Hauptprozessor zu entlasten, vorausgesetzt die Grafikkarte ist dazu in der Lage.
      Genau darin aber liegt der Pferdefuß, denn es ist nicht nur eine Frage der Grafikkarte, ob sie ein Video dekodieren kann, auch die installierten Treiber und das jeweilige Betriebssystem spielen hier mit hinein. VLC kann nur abfragen, ob die Grafikkarte in der Lage ist, ein bestimmtes Videoformat zu dekodieren, kann aber nicht kontrollieren, ob die Dekodierung auch in bestmöglicher Qualität erfolgt.
      Man tappt hier also ein wenig im Dunkeln. Aktiviert man diese Option nicht, ist vielleicht der Prozessor überlastet und das Video ruckelt. Aktiviert man sie und die Grafikkarte kann grundsätzlich das wiederzugebende Video dekodieren, wird das Bild eventuell wegen veralterten Treibern pixelig.
      Auch bei der Verwendung von Filtern kann sich eine Aktivierung dieser Option negativ auswirken, da VLC die Daten zur Dekodierung an die Grafikkarte übergibt und sie anschließend für die Anwendung der Filter wieder zurück bekommt.
      Auf jeden Fall kann man über das kleine freie Programm DXVA_Checker schon einmal prüfen lassen, ob es sich überhaupt lohnt, diese Option zu aktivieren.


    • Stärke des Videoqualitäts-Nachbearbeitungsfilters - siehe Anm.(9)
      Über diese Option kann man die Qualität der Nachbearbeitung durch einen Level-Wert von 0 (deaktiviert) bis 6 (Maximum) festlegen. Je höher der Wert um so größer wird die Prozessorbelastung und um so besser die Bildqualität.
      Mit allen Werten größer 0 wird für die Nachbearbeitung ein Horizontal-Deblocking-Filter, mit Werten größer 1 außerdem eine Vertikal-Deblocking-Filter eingesetzt und mit Werten größer 4 wird zu den beiden übrigen Filtern noch ein Deringing-Filter (Rekonstruktionsfilter) eingesetzt.
      Mit den ersten beiden Filtern wird der "Klötzchenbildung" entgegengewirkt. Über den Deringing-Filter werden Farbwerte für Pixel aus den Farbwerten benachbarter Pixel berechnet.


    • H.264 Einsprungfilter (Blockieraufhebung) überspringen - siehe Anm.(3)
      Dieser Filter, besser bekannt als Loop- oder Deblocking-Filter, ist fester Bestandteil des H.264 Decoders. Seine Aufgabe ist es, die scharfen Kanten zwischen den einzelnen Blöcken zu glätten. Ihn komplett oder auch nur teilweise zu überspringen, wirkt sich auf die Qualität nachteilig aus, beschleunigt dafür aber die Wiedergabe von High-Definitions-Streams. Mit "überspringen" ist das Überspringen des kompletten Filters oder einzelner Filterkomponenten gemeint.
      Für diesen Filter kann aus einer Auswahlliste einer der Werten "Kein", "ohne Referenz", "Bidir", "Kein Key" oder "Alle" selektiert werden. "Kein" steht für "keine Filterkomponente überspringen" und "Alle" für "alle Filterkomponenten überspringen". Die übrigen liegen zwischen diesen beiden Einstellungen. Voreinstellung ist "Kein".
      Sollte ein hochauflösendes Video bei der Wiedergabe ruckeln, sollte man, bevor man alle Deblocking-Filter überspringt, es mit "Bidir" als guten Kompromiss versuchen.


    • x264 Vorein(ge)stellung - siehe Anm.(4)
      Die Voreinstellungsauswahl ist auch unter "Kompressionsvorlagen" bekannt. Sie erlaubt für die Einstellung des x264-Encoders eine von neun Vorlagen auszuwählen.
      Kompressionsvorlagen beinhalten eine Reihe von Einstellungen, abgestimmt zwischen Geschwindigkeit und Qualität.
      Will man die Default-Einstellungen nicht verändern, kam man dies durch die Auswahl von "medium" oder eines leeren Feldes.
      Die Vorlage "superfast" (es gibt auch noch ein Vorlage "ultrafast", die VLC jedoch nicht anbietet) führt zu einer möglichst schnellen Encodierung bei unterdurchschnitlicher Qualität.
      Die Vorlage "placebo" arbeitet relativ langsam bei überdurchschnittlicher Qualität. Alle übrigen Einstellungen liegen dazwischen.


    • x264 Abstimmungsauswahl - siehe Anm.(4)
      Hinter dieser Option verbirgt sich die Tuningvorlage. Standardmäßig wird eine solche bei der x264-Encodierung nicht verwendet. Man kann jedoch für ganz bestimmte Fälle unter folgenden Vorlagen auswählen:


      film:_________Allgemeine Optimierung für Kinofilme
      animation:____Optimierung für klassische Zeichentrickfilme
      grain:________Optimierung für körniges oder verrauschtes Material,
      ________________um es zu erhalten.
      stillimage:___OPtimierung für unbewegte Einzelbilder
      psnr:_________Optimierung auf möglichst hohe PSNR-Werte,
      ________________für normale Encodings uninteressant
      ssim:_________Optimierung auf möglichst hohe SSIM-Werte,
      ________________für normale Encodings uninteressant
      fastdecode:___Deaktivierung der für die Wiedergabe CPU-intensivsten Optionen.
      zerolatency:__Deaktiviert alle Optionen, die die Encoding-Latenz erhöhen.
      ________________(Könnte man vielleicht mit Reaktions- oder Wirkzeit übersetzen.)


    • x264 Profile-Auswahl - siehe Anm.(4)
      Profilvorlagen erzwingen die Kompatibilität mit dem angegebenen H.264-Profil. Normalerweise kann man auf sie verzichten. Wer jedoch das entsprechende Fachwissen hat und aus gewichtigen Gründen nicht verzichten will, kann unter folgenden Profilen auswählen:


      baseline:____Profil für Lowercost Applicationen mit beschränkten Hardwareressourcen.
      _____________Es wird bei Videokonferenzen und mobilen Applikationen verwendet.
      main:________Dieses Profil ist für Broadcast und aufwendigere Anforderungen gedacht.
      high:________High Definition Profil für Broadcast und disk-storage-applications.
      _____________Primär wird das High Profil für High Definition TV Applikationen verwendet.
      _____________Bei HD-DVD's und BluRay Disks wird in der Regel das High Profil verwendet.
      10/422/444:__Unterstützen neben der normalen Bittiefe von 8 Bit auch 10 Bit.
      _____________Außerdem ist eine höhere Farbauflösung als das übliche YV12 möglich.
      _____________Mit DVD oder Blu-ray als Quelle spielen diese Profile keine Rolle.


    • x264 Level-Auswahl - siehe Anm.(4)
      Auch hierfür gilt, dass es in der Regel nicht erforderlich ist, die Voreinstellung "0", mit der der Level automatisch festgestellt wird, zu ändern. Falls trotzdem etwas geändert werden soll, hier die gültigen Levelwerte:
      Gültige H.264-Level: 1, 1.1, 1.2, 1.3, 2, 2.1, 2.2, 3, 3.1, 3.2, 4, 4.1, 4.2, 5, 5.1
      Hinweis: Die Werte können auch ohne Punkte geschrieben werden, statt "4.1" z.B "41"


    2. Optisches Laufwerk

    Die einzige Option dieser Untergruppe ist Standardmäßiges optisches Laufwerk - siehe Anm.(1). Vor allem dann, wenn man über mehrere solcher Laufwerke verfügt, wie zusätzliche Brenner oder virtuelle CD Laufwerke, kann man hier eines als Standardlaufwerk (mit Laufwerkbuchstabe und Doppelpunkt) eintragen.



    3. Dateien

    In dieser Untergruppe sind folgende drei Einstellmöglichkeiten vertreten:

    • Aufnahme-Verzeichnis oder Dateinahme - siehe Anm.(2)
      Hier kann man das Zielverzeichnis für alle über die Aufnahme-Funktion aufgenommenen Objekte festlegen. VLC speichert dann alle Aufnahmen mit einem eindeutigen Namen, bestehend aus einem Präfix plus Datum und Uhrzeit, in diesem Verzeichnis.
      Der Dateiname kann aber auch festgelegt werden. Wird für den Dateinamen durch entsprechende Platzhalter nicht dafür vorgesorgt, dass er eindeutig ist, wird bei jeder Neuaufnahme eine vorhergehende Aufnahme, soweit diese nicht umbenannt oder entfernt wurde, überschrieben.


    • MKV-Dateien im selben Verzeichnis vorladen - siehe Anm.(5)
      MKV-Dateien sind AV-Dateien im Audio/Video-Containerformat Matroska. Dieses Containerformat verwendet in bestimmten Fällen zusätzliche Dateien, sogenannte Segment-UID's oder kurz SUID-Dateien. Durch ein Vorladen der MKV-Hauptdatei ist es VLC möglich, festzustellen, ob es solche verknüpfte SUID-Dateien gibt und diese dann entsprechend auch einzubinden. Bei defekten MKV-Dateien kann dieses Vorladen zu Problemen führen.


    • Defekte oder unvollständige AVI-Datei - siehe Anm.(6)
      AVI-Dateien sind Video-Dateien im AVI-Containerformat. Dieses verwendet einen Index für Position und Größe der Frames. Ist dieser Index beschädigt ist, kann es zu Wiedergabe-Problemen kommen. VLC kann in den meisten Fällen einen beschädigten Index reparieren. Mit dieser Option kann festgelegt werden, wie sich VLC bei einem beschädigten Index verhalten soll. Zur Auswahl stehen "Nach Aktion fragen", "Immer korrigieren" und "Niemals korrigieren".


    4. Netzwerk

    Die drei Einstellmöglichkeiten diese Untergruppe:

    • Standard-Cache Richtlinie - siehe Anm.(1)
      Bei der Datenübertragung kann es zu Verzögerungen kommen. Um diese auszugleichen, werden Daten so schnell wie möglich übernommen und, soweit sie für die Wiedergabe noch nicht benötigt werden, in einen Zwischenspeicher (Puffer) geschrieben.
      Über diese Option kann festgelegt werden, wie VLC standardmäßig den Zwischenspeicher nutzen soll. Dazu gehört auch das Anlegen des Zwischenspeichers. Dafür gibt es folgende sechs Einstellmöglichkeiten: "Eigenes", "Niedrigste Latenz","Niedrige Latenz", "Normal", "Hohe Latenz" und "Höchste Latenz".
      Als Latenzzeit wird in einem Netzwerk die Verzögerung vom Absenden einer Anfrage und dem Eintreffen der Antwort darauf bezeichnet. Wenn also bei einer Verbindung mit großen Verzögerungen zu rechnen ist, sollte man sich hier für "Höchste Latenz" entscheiden. Standardmäßg wird VLC mit dem Wert "Eigenes" versuchen, der jeweiligen Übertragungssituation entsprechend die beste Einstellung zu verwenden.


    • HTTP-Proxy-URL - siehe Anm.(8)
      Im Normalfall gibt es für den VLC keinen Grund, Daten aus dem Netz über einen Proxy-Server zu beziehen. Ist dies im Einzelfall jedoch erforderlich, kann hier die Proxy-Adresse einschließlich Port nach folgendem Schema eingegeben werden: Proxyname.Domain:Port/
      zum Beispiel: http://meinproxy.de:8080
      Proxies, bei denen man sich anmelden muss werden ebenfalls unterstützt. Hier ist die Eintragung nach folgendem Schema vorzunehmen: Benutzername:Paßwort@Proxyname.Domain:Port/
      zum Beispiel: http://PowerUser:GeheimesPaßwort@megaproxy.networt@megaproxy.net:8080/


    • Live555 Stream-Transport - siehe Anm.(7)
      live555 ist eine Bibliothekensammlung zum Streamen von verschiedenen Medien. Standardmäßig wird von VLC dafür das HTML-Protokoll verwendet. Über diese Option kann jedoch auf RTP umgestellt werden.


    Anmerkungen:


    (1) ausschließlich unter Einfach im Abschnitt Input & Codecs-Einstellungen zu finden
    (2) auch unter Alle im Abschnitt Input/Codecs zu finden
    (3) auch unter Alle im Abschnitt Input/Codecs - Videocodecs - FFmpeg (Hardware Dekodierung) zu finden
    (4) auch unter Alle im Abschnitt Input/Codecs - Videocodecs - x264 zu finden
    (5) auch unter Alle im Abschnitt Input/Codecs - Demuxer - Matroska zu finden
    (6) auch unter Alle im Abschnitt Input/Codecs - Demuxer - AVI zu finden
    (7) auch unter Alle im Abschnitt Input/Codecs - Demuxer - RTP/RTSP zu finden
    (8) auch unter Alle im Abschnitt Input/Codecs - Access-Module - MMs zu finden
    (9) auch unter Alle im Abschnitt Video - Filter - Postprocessing zu finden